Eine Reise durch den Körper

Kulturverein Haus im Park e. V.

Bündnispartner:

DRK KV Bremen e. V. - Kinder- und Jugendhaus Hahnenkamp
Stadtbibliothek Bremen

Schwerpunkt: Bildende Kunst | Literatur
Altersgruppe: 8-11 Jahre
Durchführungsort: Bremen

Laufzeit:

01.03.2015 - 31.12.2015

Tagelang haben sie gesägt, gebastelt und sich Geschichten ausgedacht. Sechzehn Kinder präsentieren gemeinsam mit der Bremer Künstlerin Anja Fußbach ihre Werke zum Thema „Herz“, die sie als „Neulandastronauten“ während der Ferienzeit in der „KulturAmbulanz“ entwickelt haben. Eltern, Geschwister und Freunde geraten dabei unversehens auf eine Reise in die Welt kindlicher Phantasie.

„Bing, bing, bing“, monoton erklingt das Geräusch eines Sonars durch den ansonsten stillen Raum der Kunstgalerie. Den Schallimpuls imitiert der achtjährige Rayan, Kapitän des selbstgebauten U-Boots, das sich seinen Weg durch die Blutbahn zum menschlichen Herzen bahnt. Gerät der Einachser zu nah an die mit Absperrband gekennzeichnete Begrenzung der Blutgefäße, piept es unweigerlich lauter und schneller. Mit an Bord sind Rayans Klassenkamerad Mert und zwei weitere Astronauten: Julien und Hakim. Die Arbeitsteilung funktioniert perfekt, jeder ist an seinem Platz. Sicher navigiert die Mannschaft durch die Menge der Zuschauenden, hin zu einem großen, dreidimensionalen Herzen, aufgebaut in der Mitte des großen Raums.

Was die Kinder im Innersten bewegt, haben sie hier im Zentrum ihres Spiels symbolisch zusammengetragen: „Das Herz ist nicht nur ein Muskel, da ist auch ganz viel drin – Liebe, Freundschaft, Musik, aber auch Trauer“, erläutert Anja Fußbach dem Publikum „die Herzensangelegenheiten der Kinder“. Die Geschichte vom U-Boot, das zunächst geschrumpft und dann mitsamt seiner Besatzung durch Injektion in die Blutbahn gerät, erinnert an eine generationsübergreifend bekannte Filmhandlung. Was die Großeltern womöglich im Jahr 1966 unter dem Titel „Die phantastische Reise“ im Kino gesehen haben, dürfte den Eltern durch „Die Reise ins Ich“ geläufig sein. Dem Drittklässler Rayan und seinen Freunden von der Grundschule Ellenerbrok sagt das alles nichts, für sie haben das Abenteuer auf der Blutautobahn ganz klar „Phineas und Ferb“ erlebt, zwei Figuren einer gleichnamigen Zeichentrickserie, „aber das weiß doch jeder“.

Die Kinder haben sich Bekanntes zur Hilfe genommen, um eine neue Herausforderung zu bewältigen: „Wir stellen sie zu Beginn vor einen Haufen chaotischer Einzelteile und begleiten sie dabei, daraus eine Ordnung zu entwickeln“, erklärt Stephan Uhlig von der KulturAmbulanz das Konzept. „Wir hoffen, dass sie aus dieser positiven Erfahrung für ihr weiteres Leben lernen.“ Während der Projekttage geben fünf Betreuer „immer mal wieder kreativen Input“, wie die neunzehnjährige Studentin Julia Weishaupt, „abgesehen von einer Menge Vorbereitung“, ihre Tätigkeit beschreibt. „Den Kindern mehr Raum für Eigenständigkeit zu lassen, als es im Schulalltag möglich ist“, genießt auch Lehramtsstudentin Lisa Buskuhl, wie sie sagt, „und die Ergebnisse am Präsentationstag sprechen für sich.“

Fast völlig selbstständig animieren die Kinder die Zuschauer, dem U-Boot vom herzförmigen Schaukasten zur Theaterbühne zu folgen. Dort bekommt die Hauptprotagonistin gerade eine SMS auf ihr überdimensional großes Handy: „I love you“, liest sie vor und freut sich überschwänglich. Das Mädchen neben ihr im Herz-Kostüm, hüpft jauchzend vor Freude auf und ab. Doch die Liebelei endet tragisch, denn nachdem Freunde und Familie für die virtuelle Romanze gänzlich vernachlässigt worden sind, bekommt sie auch schon den Laufpass – und das ebenfalls per SMS. „Ach“, ruft das kleine Herz voll ausufernder Dramatik und wirft sich zu Boden, „ich bin gebrochen.“ Und nun ist niemand mehr in der Nähe, der noch Trost spenden könnte. Am Ende wird das Herz aber versöhnt: Die Unglückliche umarmt es dankbar und sagt mit fester Stimme: „Von nun höre ich immer auf mein Herz.“

Textauszüge aus: CHRISTIANE MESTER, Weser-Kurier vom 09.04.2015

Kontakt:

Kulturverein Haus im Park e.V.
Anja Fußbach/ Stephan Uhlig
Rilkeweg 46
28355 Bremen
0421 4082120
stephan.uhlig@klinikum-bremen-ost.de
www.kulturambulanz.de